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Es gibt ein Ortssippenbuch (OSB, Band 34) über die Familien in Collinghorst.
Hier finden Sie das Ortssippenbuch Collinghorst

Robert Appeldorn in den USA hat sich die Arbeit gemacht, die Daten des OSB Collinghorst mit einem Genealogieprogramm zu verknüpfen und auf seiner Webseite zu veröffentlichen. Hier gehts zu Robert Appeldorns Seiten 

Das Archiv von Michael Till Heinze zur Collinghorster Geschichte steht hier: Archiv Heinze

 

Collinghorst bedeutet „Quellenhöhe“

von Siegfried Hopkes, Realschullehrer in Westrhauderfehn
In: Friesische Blätter, November 1970, Nr. 11, 7. Jhg. 

Die Namensforschung ist bekanntlich ein schwieriges Kapitel, und es sind dazu vielseitige Gesichtspunkte heranzuziehen. Am besten geht man von dem urtümlichen Landschaftsbild vor Jahrhunderten aus und zieht dann geschichtliche Quellen und alte Landkarten hinzu. Außerdem muß man an Ort und Stelle topographische und mundartliche Studien machen. Unter Berücksichtigung all dieser Punkte bin ich zu der Deutung, Collinghorst bedeutet „Quellenhöhe“, gekommen. Der Wortbestandteil „Colling“, auch „Kolling“ geschrieben, „Köllen“ gesprochen, geht auf das uralte, indogermanische Wort Kal = junger Wasserlauf, und später im Germanischen Kald, Kold = Quellbach zurück. – Auch das Zeitwort kallen, kaueln = rinnen, sprudeln, murmeln, schwatzen ist davon abgeleitet. Im Nordfriesischen ist dieses Wort noch lebendig und kommt in Koldehörn, Koldebüttel u. a. vor. Der Namensforscher Otto Clausen in Kropp/Schleswig-Holstein weist darauf hin, daß im Dänischen Quelle = Kilde heißt und mit dem Friesischen verwandt ist. In diesem Zusammenhang ist auch das Wort Kule = Grube oder auch Wälzlache für Tiere zu nennen; früher auch „küll“ oder „köll“ ausgesprochen. Infolge Lautabwandlung kann auch wohl ein „kell“ daraus werden. So vorbereitet kann man die Ortsnamen Collinghorst, Collhusen, Collrunge, Coldam, Coldeborg, Coldinne, Collstede und z. B. Kellingwolde bei Bunde, Kellinghusen und Kellenhusen näher untersuchen, wobei bedacht werden muß, ob nicht in dem einen oder anderen Fall das Wort „Kolk“ – Wassereinbruchstelle oder ein Personenname mit in Betracht gezogen werden muß, wie bei Coldam und Coldeborg.

Hat es denn nun in Collinghorst Quellbäche, Wasserstellen und ähnliches gegeben? In früheren Veröffentlichungen ist bereits auf die „poels“ (Wasserstellen) hingewiesen worden, den Metje-Poel, den Foek-Poel, den Tüntje. Ich konnte auf der alten Landkarte des Laurentius Michaelis „Frisia orientalis nova et exacta descriptio“ von 1579, neu veröffentlicht von Dr. Arend Lang, ersehen, daß bei Collinghorst, südlich von Ihrhave (Jhrhove), zwei kleine Flüsse entspringen, von denen, der eine nördlich an Ihrhove vorbeifließt und ein Stück nördlich von Dorenborg in die Ems mündet, der andere südlich bei Coldemüntje die Ems erreicht. Teile dieser alten Wasserläufe sind vielleicht noch in den Zuführungen des heutigen Wallschloots westlich von Steenfelde zu erkennen. Auch die Bietze kann durchaus früher ihren Ursprung und ihre Zuflüsse näher bei Collinghorst gehabt haben. Sie verläuft heute nördlich und mündet in die Leda. – Im Ort selbst haben heute noch der Ostert-Bach und der Jastert-Bach ihren Lauf.

Der Namenteil „horst“ bedeutet ein mit Busch und Wald bestandener Hügel, meistens eine Bodenkuppe in der sonst flachen Landschaft. Das trifft auf Collinghorst zu. Fast überall war es von Mooren und Hammrichen umgeben; ein schmaler Landrücken, der immer flutfrei blieb und darum schon sehr früh die Pflanzenwelt, später die Tiere und Menschen zur Ansiedlung einlud. Der Name „horst“ ist hauptsächlich sächsisch und neudeutsch, in alter Zeit hieß es heerst, höst, höss, hess; wie es heute auch noch mundartlich in dem Namen Collinghorst aufklingt. Demnach ist also „horst“ eine Höhe. Dieser Vorteil ist selten in Ostfriesland. Im Kreis Wittmund gibt es ein Horsten, im Ammerland ein Dänikhorst. Im allgemeinen hat sich sonst für ähnlich gelagerte Siedlungen der Name „holt“ oder „loh“ in der zweiten Silbe durchgesetzt. Insofern ist unser Collinghorst schon etwas Besonderes.

Die Kirchenmühle in Collinghorst

von Heinrich Roskam, Rhaude
in Friesische Blätter, November 1970, Nr. 11, 7. Jhg.

Bevor im 18. Jahrhundert auf Betreiben der preußischen Regierung bei uns der Anbau von Kartoffeln bekannt und teilwelse erzwungen wurde, waren neben Fleisch und Gemüse Beigaben aus Mehl und geschältem Getreide die tägliche Nahrung der Dorfbewohner. Von den Mehlgerichten sind mir aus meiner Jugendzeit „Mehlpütt, Rebbedi und Krömen“ bekannt. Roggenbrei und Suppen aus Gersten- und Hafergrütze werden auch heute noch gegessen. Bei jedem oder in jedem Haus gab es einen Back- ofen. Die Rezepte des Brotbackens vererbten sich von Generation zu Generation. So habe auch ich noch etwa 25 Jahre lang unser Brot selber gebacken.
Es war während der Hungersnöte in und nach den beiden Weltkriegen natürlich sehr zum Vorteil, wenn man die Technik des Backens beherrschte und Ofen nebst Gerätschaften noch in Takt waren. Zum Mahlen, Zerquetschen und Pelden von Getreide wurden wohl auch bei uns in der Vorzeit die primitivsten Gerätschaften benutzt, so wie sie bei Naturvölkern teilweise heute noch gebraucht werden. Fragmente von Mahlsteinen, wie sie im Heimatmuseum in Westrhauderfehn zusammengetragen sind, deuten darauf hin, daß bei uns im Overledingerland einst handgetriebene Mühlen im Gebrauch gewesen sind. Mit Wind- und Wasserkraft betriebene Mühlen sind Erfindungen, nach denen sich zwischen den Epedemien die Menschheit stark vermehrte und anspruchsvoller wurde.
Weltliche und geistliche Landesherren suchten für sich daraus einen Nutzen zu ziehen, indem die Erbauer einer Mühle zuerst eine Conzession einholen und dafür eine jährliche Abgabe entrichten mußten. Bei uns hieß diese Abgabe „Windgeld“. Wassermühlen, wie heute noch eine im benachbarten Friesoythe vorhanden ist, sind bei uns wegen des geringen Gefälles in den natürlichen Gewässern wohl kaum im Gebrauch gewesen, dagegen aber sogenannte Roßmühlen, die, wie der Name schon sagt, mittels Pferdekraft ange- trieben wurden. Diese hölzernen Mühlen waren als Karnmühle um die Jahrhundertwende bei uns noch in jedem Bauernhaus. Sie wurden erst überflüssig, als die Gemeinschaftsverwertung der Milch in den Molkereien sich durchsetzte. 
Heute sieht man noch eine solche Mühle im Grenzlandmuseum in Weener. Auch die Roßmühlen zum Mahlen und Pelden von Getreide waren konzessioniert und abgabepflichtig. Bevor z. B. in Westrhauderfehn eine Holländische Windmühle lohnend war, wurde vom Fiskus eine Roßmühle genehmigt. Dieses gebt aus der Urkunde hervor, die der König von Preußen im Jahre 1769 ausstellte, als die Rhauderfehncompagnie die Erlaubnis zur Fehngründung erhielt.
Ich selbst habe bei uns zu Hause unsere Karnmühle abgebrochen. Dieses geschab etwa im Jahre 1925. Auch mit dieser Mühle war neben der Herstellung von Butter eine Schrotmühle betrieben worden. Die Steine dazu sind heute noch vorhanden. Sie sind aus Lava und haben einen Durchmesser von 90 Zentimeter. Die erste Holländische Windmühle in unserer Gegend wurde im Jahre 1804 in Westrhauderfehn gebaut. Als solche bekam sie einen festen Unterbau aus Mauersteinen und eine drehbare sogenannte Kappe. Im Gegensatz dazu konnte bei einer Ständer- oder Bockmühle das ganze Mühlengehäuse auf und um einen feststehenden Ständer aus Eichenholz gedreht werden. Der Eingang zur Mühle war an der den Flügeln entgegengesetzten Seite mittels einer Treppe und, wie die ganze Mühlenkonstruk- tion, ebenfalls aus Holz. Hier befand sich auch ein starker Balken, der sogenannte Steert. Er diente zum „kroejen“, zum Drehen der Mühle. Mittels Taue oder Ketten am Steert konnte die Mühle fest in Windrichtung gehalten werden. Sie wurden befestigt an dicken Findlingen, in denen Eisen- ringe eingelassen waren, so wie sie heute noch dort zu sehen sind, wo die Holter Mühle bis vor etwa 120 Jahren gestanden hat. Diese Mühle und in Rhaude die Steenblock-Watzemasche Mühle standen etwa 500 Meter entfernt von den jeweiligen Wohngebieten. Der Flur- name „Mühlen-Stücke“ existiert noch heute. Wegen des Windschattens des Dorfes und der Gefahr für Mensch und Tier standen diese Ständermühlen immer weitab von den Wohnge- bieten auf den Gasten. Die BaumwälIe auf den alten Gasten sind erst nach der Verkopplung als Eigentumsgrenzcn angelegt worden.
Dieses geschah in Rhaude und Holte etwa in der Zeit zwischen 1770 und 1825, in Collinghorst dagegen wesentlich später, weil hier die Verkoppelung erst von Napoleon Bonaparte angeordnet wurde. Hier wie dort gibt es heute noch die Bezeichnung „Mühlenweg“. Die Ständermühle in Collinghorst stand einst (wie in Rhaude) im Westen des Ortes, auf dem Gelände des Hofes Braklo. Diese Mühle gehörteib früheren Jahrhunderten der Kirche, die sie verpachtet hatte und aus der Pacht die Reparaturen an Kirche und Pfarrhaus bestritt. Die Besoldung des Pfarrers war durch die Einkünfte eines Bauernhofes und durch die sogenannten Michaelisgefälle geregelt. Während die Kirchspiele Rhaude aus zwei und Backemoor aus drei Bauernschaften bestanden, die gemeinsam die Lasten zu tragen hatten, um Kirche und Pfarrer zu unterhalten, war Collinghorst mit seinen 12 Bauernhöfen allein dafür verantwortlich. So mag es gekommen sein, daß die Gräfin Anna aus dem Hause Oldenburg, die lange als Witwe in Aurich regierte und in ihrer Gesetzgebung sehr segensreich für Ostfriesland wirkte, im Jahre 1540 eine Ständermühle stiftete, die zum Unterhalt der Kirche von Collinghorst bestimmt war.
Die Besitzer und späteren Eigentümer dieser Kirchenmühle lassen sich an Hand von Kirchenprotokollen und standesamtlichen Eintragungen in den Kirchenbüchern von Collinghorst vom Jahre 1649 an verfolgen. In diesem Jahre wird als Mühlenpächter Johann Wieben genannt. Ihm folgte sein Sohn Hinrich Janssen, der im Alter von 86 Jahren am 7. März 1731 starb. Er war verheiratet mit Engel Gerds. (Die Namensgebung war schematisch nach der patronymischen Regel, feste Familiennamen gab es damals noch nicht. Wenn sie durch Zuwanderung eingeführt wurden, verschwanden sie in der Regel schnell wieder. Erst unter Napoleon wurden in Ostfriesland feste Familiennamen befohlen.) Auf Hinrich Janssen folgte dessen Sohn Johann Hinrichs, verheiratet mit Ambke Roskam, Eine Tochter aus dieser Ehe namens Trientje Janssen ehelichte am 3. Januar 1763 den Müller Gerhard Janssen Steenblock aus Rhaude, der später zur Mühle nach Rhaude zurückging und seinem Sohn Jan Gerhards Steenblock die Mühle in Collinghorst überließ. Aus dessen Ehe mit Upke Reents Ibelings, geschlossen am 21. Mai 1786, stammt Trintje Janssen Steenblock, verheiratet mit Carl August Braklo aus Petkum. Dieses Ehepaar verstarb kinderlos. Als Müller folgte sein Bruder Christian Ludwig Braklo, der im Jahre 1874 die Holländische Windmühle direkt in Collinghorst baute. Diese Mühle brannte am 23. April 1945 durch Feindeinwirkung nieder. Braklo starb im Alter von 76 Jahren im Jahre 1916. Er verkaufte die Mühle an Martin Folkerts aus Weenermoor, der 1918 als Soldat den Tod fand. Daraufhin kam die Familie Bunger zuerst als Pächter, dann als Eigentümer in den Besitz der Mühle. Anhand des Stammbaumes ist zu erkennen, daß die Ständermühle vom Jahre 1649 bis zum Ableben von Trientje Janssen Steenblock im Jahre 1819 im Besitz der Nachkommen des besagten Johann Wieben war.
Allen Mühlen war durch die Auflage eines Windgeldes und die damit erteilte“ fiskalische Konzession ein ausreichendes Einzugsgebiet zugesichert. In Anbetracht dieser Zusicherung wurde im Namen des Kirchenvorstandes von Collinghorst mit Datum vom 24. Mai 1723 eine Bittschrift von dem Kirchenvogt Jan Garrels, verheiratet mit Gertrud Helena Roskam, und dem Pastor Nikolaus Christof Schulze unterzeichnet. Man bittet die Regierung, dem Egge Evers aus Weener die Konzession zum Bau einer Mühle in Backemoor nicht zu erteilen, weil sonst „unsere Kirche und Pastore in gänzlichem Untergang würde geraten, da unsere kleine Gemeinde, welche nur aus 12 oder 13 Plaatzen besteht, nimmermehr capabel ist, auf andere Weise Kirche und Pastorey zu unterhalten“. Jan Garrels ist meines Wissens der Stammvater vieler Familien Roskam und der Familien Plümer und Griepenburg. Seine Tochter Gretje Janssen war mit dem Hausmann Wille Janssen aus Holte verheiratet, einem Mitbegründer von Rhauderfehn.
Johan Julius Reil, der Vater des berühmt gewordenen Arztes aus Rhaude, der als Inspekteur (Superintendent) nach Collinghorst kam, um seine jährliche Visitation abzuhalten, schrieb damals ins Protokoll den bemerkenswerten Satz; „Die Collinghorster sind Distelköpfe“. Daß sie nicht von ihrem Gewohnheitsrecht abließen und sich auch nicht von den fürstlichen Beamten in Stickhausen ins Bockshorn jagen ließen, beweist folgende Episode: Das Amt Stickhausen berichtet am 20. November 1723 an den Fürsten von Ostfriesland: Das Amt hat in Erfahrung gebracht, daß die Gemeinde Collinghorst (Kirchengemeinde, eine politische gab es damals noch nicht) ohne Einwilligung des Landesherrn am Kirchhof fünf und bei der Pastorei vier schöne Bäume in ihrem besten Wachstum habe abhauen lassen. Ein Teil davon sei in der dortigen Mühle verbraucht, der andere Teil sei verkauft worden. Das Amt hat daher den Ortsgeistlichen und den Kirchenvorsteher Hinrich Janssen vorgeladen. Der Pastor Nikolaus Christoph Schulze habe angegeben, daß er zweimal protestierte. Die Gemeinde habe aber gesagt, sie hätte nichts damit zu tun, viel weniger noch ihre Beamten. Sie (die Kirchenvorsteher) wollten bei ihren Privilegien bleiben. Wenn sie deshalb bestraft würden, so wollten sie den Weg des Rechts nach Aurich wohl finden. Der Kirchvogt Jan Garrels sagte aus, daß die Gemeinde einstimmig beschlossen hätte, die neun Bäume zur Reparatur der Mühle zu fällen und daß sie solches seit undenklichen Zeiten so getan und niemals fürstlichen Consens (Erlaubnis) eingeholt hätten. Der hier benannte Hinrich Janssen ist gleichbedeutend mit dem oben benannten Müllermeister gleichen Namens. Er war nicht allein Mühlenächter, sondern auch der Eigentümer eines vollen Herdes (Hofes), gleich wie Jan Garrels.
Quellen: Kirchenbücher und Kirchenprotokolle der Gemeinde Collinghorst.