„Predigt der Pastor noch,
oder ist er schon eingesperrt?“

von Elke Wieking

Scharfzüngig und witzig ging es in der Kirche zu. Rund 120 Zuhörer hatten ihren Spaß daran. Seit Donnerstagabend wissen wir: Pastoren sind auch nur Menschen und keine Heiligen, auch wenn offenbar viele glauben, sie könnten Wunder vollbringen; zum Beispiel das, die Menschen wieder in die Kirchen zu locken. Wie das aussehen kann, wenn man Trends und Lifestyle hinterherläuft, zeigte das „Erste allgemeine Babenhäuser Pfarrer-Kabarett“ vor rund 120 Zuhörern in der Kirche in Collinghorst.

Die Herren waren vom Fach: Hans-Joachim Greifenstein und sein Kollege Claus-Jochen Herrmann sind tatsächlich Pfarrer. Aber sie predigten nicht von der Kanzel, die machten Kabarett. Seit acht Jahren treten die Südhessen : „Wir reden heute Abend Oxford-Hessisch“ : zusammen auf. Kein Thema ist ihnen fremd: ob Handel, Wandel, Technik, Sex und Diäten, ideenreich, wortgewandt und witzig plauderten sie zwei Stunden lang ohne Pause.

Natürlich sind Pfarrer frustriert, wenn sie vor leeren Reihen predigen müssen. Vorschlag: eine Kooperation mit dem Einzelhandel. Da wurde dann auf dem Aldi-Parkplatz das „Grab des unbekannten Einzelhändlers“ gesucht: „Da war Stimmung, da war Action. Die Leute wollten wissen, ob ihr Pastor sonntags noch predigt oder schon eingesperrt ist.“ Schließlich macht ihnen der katholische Kollege mit seiner Fronleichnam-Prozession den Garaus: Die mutiert zur „Love-and-Shopping-Parade“.

Die Lösung lag endlich im Jesus-Wort: „. . . wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Vielleicht doch die realistischen Zahlen, meinen die Herren Kabarettisten. „Künftig nehmen wir nicht mehr jeden. Da schaffe mir leichter.“ Die Sorge um die Zukunft, war nur der roten Faden des Programms „Mach´s noch mal, Noah.“ Greifenstein und Herrmann spinnen noch andere, ohne sich zu verheddern.

Was sie scharfzüngig, aber nie niveaulos boten, war aus dem Leben gegriffen. Wie gesagt: Pfarrer sind auch nur Menschen. Das Publikum lachte sich scheckig und bedankte sich mit langanhaltendem Beifall.