„Klasse, dass er über sich selbst lachen kann“

Von Jana Köhler

DISKUSSION – Leser geteilter Meinung über „Luther-Zitat“ des Collinghorster Pastors Burkhard Westphal.
Locker formulierte Worte spalten eine Kirchengemeinde. Die Mehrheit steht anscheinend jedoch hinter dem Geistlichen.

Collinghorst. Was ein paar locker formulierte Worte doch bewirken können. In Collinghorst ist jetzt ein Streit entbrannt, wie er skurriler kaum sein könnte. Stein des Anstoßes: ein frei nach Martin Luther zitierter Ausspruch von Pastor Burkhard Westphal, der im GA erschienen war. Er hatte bei einer Zusammenkunft von Vorstandsmitgliedern des Rotary-Clubs gesagt: „Viele Pastoren sind wie ein stinkender Misthaufen. Aber gut verteilt auf dem Land bringen sie viel Frucht.“ Daraufhin ging bei der Landssuperintendentin eine Beschwerde ein.

Was sagen die Leser dazu?

„Ich finde es unerhört, dass sich Mitglieder der Kirchengemeinde beschweren“, macht Alfred Lühring aus Neustadt am Rübenberge seinem Ärger Luft. Die Collinghorster sollten froh sein, einen so engagierten und humorvollen Pastor in ihren Reihen zu haben. „Er soll so weiter machen wie bisher“, findet der gebürtige Collinghorster.

Ein Mann aus Westoverledingen, der seinen Namen nicht nennen will, ist hingegen empört darüber, wie hier der Geistliche „die Pastoren verunglimpft“. Luthers Zitat sei 500 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß.

Anders sieht das Kai Scholtka. Der ehemalige Konfirmand misst dem Zitat „durchaus tieferen Sinn“ bei. Niemand habe das Recht, den Pastor dafür anzuprangern. „Das ist vollkommen übertrieben“, sagt er. Wenn es jemanden gebe, der für die Menschen der Gemeinde einsteht, dann sei es Pastor Westphal, betont der Collinghorster.

Diese Meinung teilt auch GA-Leser Christhard Wendt: „Pastor Westphal ist wohl einer der wenigen Pastoren, die viele neue Wege gehen, Ungewöhnliches versuchen, sicher auch polarisieren und Stellung beziehen.“ Er habe seinen eigenen Berufsstand einmal gehörig auf die Schippe genommen. „Ich finde es klasse, dass er über sich selbst lachen kann“, betont der Leser aus Collinghorst. Wer über das Zitat richtig nachdenke, könne nichts Böses daran finden.

Zu viel Medienpräsenz bescheinigt Thea Nolte dem Geistlichen. „Hat Pastor Burkhard Westphal eigentlich nichts anderes zu tun, als die Seiten des General-Anzeigers zu füllen?“, fragt sich die Leserin. Er solle sein Geltungsbedürfnis etwas zurück schrauben und sich um seine eigentliche Arbeit als Pastor der Gemeinde kümmern, rät sie.

„Eine derbe Sprache ist, wenn auch nicht jedermanns Sache, in Ordnung; die Würde der Menschen ist jedoch immer zu achten“: Dieser Ansicht ist Andreas Hannemann, Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Flachsmeer. Die zitierte Äußerung habe in dieser Form schon etwas Beleidigendes, findet er.

Veronika Wendt bringt zum Ausdruck, dass die Angelegenheit viel zu belanglos sei, um derart für Aufsehen zu sorgen. Wenn man sich an so einem Satz „aufgeilen“ könne, scheine die Welt noch in Ordnung zu sein, äußert sich die Frau in einem Schreiben.