Collinghorst schreibt ein Stück Geschichte

Von Stephanie Arends

Collinghorst Auf dem Friedhof der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gibt es jetzt Rasengräber. Dort ist es möglich, Verstorbene zu beerdigen, ohne dass sich die Angehörigen später um die Pflege des Beetes kümmern müssen.

Oskar Hanack hat ein Stück Geschichte geschrieben: genauer gesagt Kirchengeschichte. Pastor Burkhard Westphal klopft dem Friedhofsverwalter nach dem Gottesdienst anerkennend auf die Schulter. Hanack zuckt verlegen, dreht sich noch einmal um, und betrachtet die neu errichtete Stele auf dem Collinghorster Friedhof. Es ist geschafft: Die offizielle Einweihung der Rasengrabstätte ist vollzogen. Die Gemeindemitglieder haben den Friedhof wieder verlassen.

Die vor mehr als einem Jahr entstandene Idee ist seit gestern Realität. Eine aus roten Backsteinen gemauerte Stele in der hintersten Ecke des Friedhofs ragt nun über alle anderen Grabsteine hinweg. Neben dem gemauerten Denkmal liegen zwei große mit Buchsbaum umrandete Beete. Dort, wo zurzeit nur Erde zu sehen ist, soll bald Gras wachsen. Menschen sollen an dieser Stelle begraben werden : im Sarg oder als Asche in einer Urne.

„Es gibt immer mehr Leute, die sich nicht um die Gräber ihrer Angehörigen kümmern können“, erklärt Pastor Burkhard Westphal. Die Gründe dafür seinen vielfältig. Oft sei es so, dass Kinder und Enkel aufgrund einer Arbeitsstelle verzogen seien. Viele ältere Menschen quälten sich deshalb mit der Frage, wie es nach ihrem Tod mit der Grabpflege aussehen könnte. Schließlich wollen sie ihren Angehörigen auf keinen Fall zur Last fallen.

In Collinghorst gibt es nun die Möglichkeit einer Bestattung ohne anschließende jahrelange Grabpflege. Anstatt eines Blumenbeetes, das bepflanzt werden muss, kümmert sich die Kirchengemeinde um das Mähen des auf dem Grab gewachsenen Rasens. Es gibt zwei Varianten: Entweder wird der Verstorbene ohne Grabstein beerdigt. Sein Name bekommt einen Platz auf der Stele, seine Grabstelle wird jedoch nicht markiert. Eine andere Möglichkeit ist, den Verstorbenen auf dem zweiten Rasengrab zu bestatten. Dort ist es erlaubt, einen Gedenkstein zu errichten. Es ist auch möglich, sich in einem Doppelgrab beerdigen zu lassen.

„Anonym wird jedoch niemand begraben“, sagt Pastor Westphal. Entweder steht der Name des Bestatteten auf der Stele oder auf seinem Grabstein. Solch eine kirchliche Bestattungsmöglichkeit gebe es bislang nur in Remels und Leer. „Wir hoffen, dass die Rasengräber gut angenommen werden“, sagt Westphal.

Bild: Pastor Burkhard Westphal (von links), Friedhelm Hanack, Elfriede Ütrecht, Gerd Goldenstein, Brigitte Pruin, Sigrid Fleßner, Siegfried Pruin und Oskar Hanack weihten gestern die Rasengräber und die Stele ein.